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5 Tipps zur Impulskontrolle beim Kind 

Vermehrt liest man über die Impulskontrolle beim Kind. Manche Kinder zeigen wenig Impulskontrolle. Sie sind ungeduldig und können nur schwer warten, bis sie an die Reihe kommen. Sie platzen in Spiele anderer hinein. Sie reden unüberlegt, ständig und wechseln oft das Thema. Es scheint, als hätten sie absolut keine Impulskontrolle!


In diesem Artikel gebe ich dir Tipps an die Hand, wie dein Kind mit deiner Hilfe mehr Impulskontrolle entwickeln kann und was du konkret dazu tun kannst.

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Impulskontrolle und was das Gehirn damit zu tun hat


Im Zusammenhang mit Impulskontrolle spricht man auch von Exekutiven oder Kognitiven Funktionen. Ein Sammelbegriff aus der Hirnforschung und Neuropsychologie, der jene geistigen Funktionen bezeichnet, mit denen Menschen ihr eigenes Verhalten unter Berücksichtigung der Bedingungen ihrer Umwelt steuern.

Vereinfacht ausgedrückt geht es um das Ausführen von Tätigkeiten, um unser Agieren und Handeln in Situationen. Im Wesentlichen ist der frontale Teil des Gehirns dafür verantwortlich. Um etwas Auszuführen braucht es eine gewisse Organisation. Es braucht Zeitmanagement. Es braucht Impulskontrolle.

Exekutive Funktionen sind also Kontrollprozesse, die meist dann eingesetzt werden, wenn automatisiertes Handeln zur Problemlösung nicht mehr ausreicht. Salopp ausgedrückt: Exekutive Funktion ist das was es braucht, um Dinge zu erledigen, Situationen zu meistern, sie ‚gebacken‘ zu kriegen.

So viel zur Theorie.


Impulskontrolle beim Kind

Das Ding mit der Impulskontrolle, wenn es falsch verstanden wird

Das größte Problem mit den Exekutiven Funktionen liegt darin, dass Erwachsene sie im Kontext mit Kindern oft missverstehen und Kindern mit wenig Impulskontrolle fälschlicherweise eine gewisse Art von ‚Vorsätzlichkeit‘ unterstellen.

Das Kind macht das absichtlich!

Diesen Kindern wird vermittelt, dass sie sich nicht genug anstrengen. Dass sie nicht genug wollen. Dass sie sich nicht genug motivieren, um ihre Impulsivität besser unter Kontrolle zu bekommen. Dass sie ‚zu faul‘ sind, um sich besser zu benehmen. Dass sie sich nicht richtig dafür entscheiden, geduldiger, abwartender, weniger störend zu sein. Sie müssten nur besser erzogen werden, dann würde es schon klappen.

Alle diese Botschaften an das Kind sind beschämend. Es verletzt die Integrität des Kindes, denn was ist, wenn das Kind tatsächlich NICHTS dafür kann?

Und tatsächlich finden sich in vielen Internetartikeln Tipps und Hinweise, wie vorrangig dieses Verhalten geändert werden kann.

Das behebt aber das Grundproblem nicht und arbeitet nur an der Verhaltensänderung!

Was ist, wenn das Kind tatsächlich NICHT faul ist? Wenn es zwar möchte, aber tatsächlich NICHT anders kann?

Wir sollten aufhören mit diesen unlauteren Unterstellungen!

Denn sie sind in den meisten Sitautionen unangebracht. Stelle dir vor: du bemühst dich in einer bestimmten Situation, du gibst dein Bestes und dein Gegenüber nennt dich faul oder unmotiviert. Welches Gefühl steigt in dir hoch?

Vermutlich fühlst du dich nicht gut! Und in weiterer Folge wirst du vielleicht tatsächlich ‚faul‘ und unmotiviert…wenn man das schon von dir denkt. Oder du bist erwachsen genug und hast ein gutes Selbstbild, dass du diese Aussagen deines Gegenübers abtun kannst, oder einfach ignorieren kannst.

Bei Kindern ist es noch ein wenig anders. Sie werden von den Meinungen und Aussagen des Umfelds geprägt und wenn Erwachsene ständig rückmelden, dass sie wegen ihrer fehlenden Impulskontrolle ständig als faul, unmotiviert, Versager oder Trotzkind bezeichnet werden, dann prägt sich das ein!

Ihr Selbstwertgefühl sinkt (wenn es nicht sowieso eher niedrig ist, weil sie oft mitbekommen, dass sie die Umwelt mit ihrem Verhalten enttäuschen).

Gedanken, wie ‚Ich bin schlecht!‘, ‚Etwas ist falsch mit mir!‘, ‚Ich bin gestört!‘, ‚Ich bin nicht normal‘ beginnen sich im Kind auszubreiten und drücken sein Selbstbild.

Vielleicht kennst du das aus deiner eigenen Kindheit? Waren diese Unterstellungen ‚gut‘? Vermutlich nicht! Für viele von uns braucht es dann fast ein Leben lang, um diese (vemeidbaren) Wunden zu heilen und uns im Erwachsenenleben ein gutes Selbstwertgefühl zu erarbeiten.

Warum also nicht gleich bei unseren Kindern HINTER das Verhalten schauen und herausfinden, was es mit der Impulskontrolle auf sich hat und wie das Kind bestärkt werden kann, mehr Impulskontrolle zu entwickeln.

Wie können wir ‚besser‘ agieren, um unserem Kind bei der Impulskontrolle zu helfen?

Wenn Kinder Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle haben, dann ist ein wesentlicher Grund dafür, dass das Gehirn noch in Entwicklung ist.

Unser Gehirn entwickelt sich von hinten nach vorne. Das vordere Drittel unseres Gehirns entwickelt sich bis wir 25 oder sogar 30 Jahre alt sind. Bei jedem Menschen entwickelt sich das Gehirn zeitlich gesehen ein wenig anders.

Wenn wir unseren Kindern dabei helfen, bestimmte Situationen und Dinge bewusst aufmerksamer zu lösen, statt ihr Verhalten mit beschämenden und bestrafenden Sätzen zu bewerten, dann können wir ihnen auch im Bereich der Impulskontrolle wirklich weiterhelfen.

Das Gehirn bleibt offen für neue Wege (was kann ich anders tun?) und das Kind ist dann in der Lage, seine Exekutiven Funktionen zu trainieren.


Die wichtige Kunst der ‚Pause‘


Das Gegenteil von Impulsivität ist in gewisser Form ‚Kontrolliertheit‘, Bewusstsein, Achtsamkeit - Impulskontrolle eben. Man spricht hier im Zusammenhang mit Exekutiven Funktionen von der Inhibition oder inhibitorischen Kontrolle: das ist die Fähigkeit, impulsive (oder automatische) Reaktionen zu kontrollieren oder zu hemmen, um durch logisches Denken und Aufmerksamkeit Antworten zu finden.Das kann Gedanken, Worte, Aktionen, Verhalten und auch Gefühle betreffen.

In vielen Situationen halten wir uns bewusst zurück, bevor wir antworten. Wir überlegen, bevor wir handeln. Wir warten die Antwort des Gegenübers ab, bevor wir mit unserer eigenen Meinung herausplatzen. Wir ‚unterdrücken‘ in gewisser Weise unsere Impulsivität.

Wir halten ein und machen eine Pause!

Das Gegenteil wäre impulsives Verhalten. Wir verspüren den Impuls und handeln sofort…ohne Pause, ohne Nachzudenken. Impulsiv eben.

Wenn wir also unseren impulsiven Kindern helfen wollen, dann geht es primär darum, die Fähigkeit zu erlernen, diese Pause einzulegen.

Die Zeitspanne zwischen dem Auslöser und der Antwort zu strecken. Eine Situation zu erleben und nicht sofort (impulsiv) zu reagieren, sondern eine Pause einzulegen.

Es ist wichtig, impulsiven Kindern, das Wissen zu vermitteln, dass da eine ‚Pause‘ machbar ist, zwischen der Aktion (die wir sehen) und der eigenen Re-Aktion (und ähem, räusper räusper…viele Erwachsene wissen und können das auch  nicht).

Wie den ‚Pause-Knopf‘ aktivieren, um die Fähigkeit zur Impulskontrolle beim Kind zu steigern?

 

Es ist also wichtig, bewusster zu reagieren und nicht sofort impulsiv zu handeln. Am besten helfen unseren Kindern, indem wir es ihnen vorleben.

1. Zuhören

Wir Erwachsene reagieren in vielen Familiensituationen unbewusst genauso impulsiv, wie wir es von unseren Kindern NICHT wünschen. Daher ist einer der ersten wichtigen Schritte, SELBST den Pauseknopf zu aktivieren: dem Kind zuzuhören, es ausreden zu lassen, ihm unsere Aufmerksamkeit zu schenken.

Was ist aber oft unser erster Impuls, den wir meist auch gleich ausleben?

Genau: dem Kind ins Wort fallen, das Kind belehren, das Kind bemäkeln und kritisieren, zu schimpfen. Wir rechtfertigen uns und sagen dem Kind die richtige Meinung (nämlich unsere).

Hier ist unsere eigene Fähigkeit gefragt, ruhig zu bleiben – Pause zu machen – und weniger zu AGIEREN, als einfach da zu sein.


2. Die Zeitspanne zwischen ‚Stimulus und Reaktion‘ bewusst verlängern

Sprich mit deinem Kind über den Pause-Knopf und wie er gut eingesetzt werden kann. Vielleicht möchtest du ein anderes Bild verwenden, das die gleiche Funktion beschreibt. Vermittle ihm das Wissen, dass es wirklich geübt werden kann, anzuhalten, zu pausieren und nicht sofort zu reagieren. (Aber bitte beachte alle weiteren Punkte auch!)

Für viele Kinder wird es erst dann sichtbar, dass es diesem impulsiven Verhalten nicht 'ausgeliefert' ist, sondern es aktiv etwas tun kann, um mit der Zeit weniger impulsiv zu reagieren.


3. Achtsamkeit und Kontrolliertheit vorleben

Es ist nicht sehr authentisch für Kinder, wenn von ihnen verlangt wird, bewusst und achtsam zu sein, also weniger impulsiv zu handeln, wenn die eigenen Eltern (oder andere wichtige Bezugspersonen) den ganzen Tag über impulsiv handeln. Sei das Vorbild für dein Kind, ohne von ihm zu erwarten, dass es schon im Kindesalter das kann, was es bis zum Erwachsenenalter erlernen und entwickeln darf.


4. Überprüfe Grundbedürfnisse und Regulation

Wenn wir überreizt sind, oder zu hungrig, oder emotional zu überlastet oder einfach zu gestresst, dann verhalten wir uns als Erwachsene impulsiv. Genauso ist es bei Kindern. Beachte also immer auch, ob das Kind grundsätzlich zu vielen Reizen ausgesetzt ist, emotional überfordert wirkt, gestresst wirkt. Wenn das Kind sich selber nicht mehr regulieren kann, sind wir als Co-Regulatoren gefragt.


5. Fragen 'richtig' stellen

Der Schlüssel zu mehr Achtsamkeit und Bewusstsein bei Kindern ist, die richtigen Fragetechniken anzuwenden. ‚Offene Fragen‘ und Zuhören bieten sich hier besonders an. Nicht Belehren, nicht Begründen und auch kein sofortiges Lösung finden, sondern ‚Fragen durch Zuhören.

Sag etwas wie: 'Wow. Wow. Das klingt super anstrengend! Erzähl mir mehr davon…'

Und wenn das Kind etwas erzählt, ist der erste Impuls bei den meisten von uns, darauf meist etwas zu antworten.

Aber Stop! Halte inne und antworte vielleicht öfters mal mit einem ‚Aha‘ oder einem ‚Mhm‘ oder einem ‚Wirklich?‘ Drücke also den eigenen Pause-Knopf und warte ab.

Dann sag etwas wie ‚Puh, das kann ich gut nachfühlen…‘ um das Gespräch wieder in Gang zu setzen. Konzentriere dich eher auf offene Fragen und weniger auf Fragen, die mit Ja/Nein beanwortet werden können.

Halte den Raum für dein Kind und seine Antworten. Gib dem Kind die Möglichkeit, nicht sofort antworten zu müssen, wenn dies zu viel Druck erzeugt.

Deine Aktionspunkte kurz zusammengefasst, um deinem Kind bei der Impulskontrolle zu helfen:

  • Zuhören, lieber zuhören als bewerten.
  • Sprich mit deinem Kind über den Pause-Knopf, dieser hilft, mehr Zeit zwischen dem Auslöser (die Situation) und die Reaktion zu bekommen.
  • Lebe die Achtsamkeit und Bewusstheit vor. Lehren durch Vorbildsein.
  • Überprüfe, ob dein Kind in bestimmten Bereichen schon ‚drüber‘ ist: ist es zu hungrig, zu überreizt, zu müde, zu traurig, zu gestresst. Hilf ihm bei der Regulation.
  • Frage dein Kind mit sog. ‚offenen Fragen‘ und sei geduldig und behutsam. Gib dem Kind das Gefühl, dass du wirklich zuhörst.

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