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Familien-Advents-Tipps

Adventskalender - Türchen 9

Altes Gepäck loslassen und friedlicher werden

Was uns am meisten davon abhält friedliche Eltern zu sein, ist unser eigenes ‚Gepäck‘. Damit meine ich: Wenn unsere Emotionen mit uns Galopp gehen und Achterbahn fahren. Das nennt man 'getriggert werden'.

Etwas im gegenwärtigen Moment erinnert uns an eine alte Erfahrung, die mit großen Emotionen verbunden ist. Das löst eine Emotionswelle in uns aus. Diese Emotionen überschwemmen uns und übernehmen die Kontrolle über unser ‚Vernunftsgehirn‘ (den präfrontalen Kortex).

Wir verlieren in diesem Moment die Fähigkeit, ruhig zu bleiben, Informationen zu verarbeiten und gute Entscheidungen zu treffen.

Im Volksmund sagen wir: wir nehmen’s persönlich!

Sobald wir etwas persönlich nehmen, geht’s rund, denn die Drama-Queen in unserem Gehirn übernimmt das Ruder.

Im diesem Akutmoment halten wir zwar unsere Reaktion oftmals für angemessen (herum schreien, schimpfen, toben, andere beschuldigen und Ärgeres), weil wir die aktuelle Bedrohung überschätzen. Erst später, wenn wir wieder ruhig sind, sehen wir, dass wir völlig überreagiert haben.

Und natürlich triggert unser Kind uns oftmals. Oder die Schwiegereltern oder die Aussagen der Lehrkräfte und ErzieherInnen oder die Meinung unseres Partners.

Doch weder unser Kind noch alle anderen sind für diesen Auslöser (=Trigger) verantwortlich. 

In jeder Kindheit gab es Situationen, die so überwältigend waren, dass unser Gehirn nicht in der Lage war, diese Erfahrungen so zu verarbeiten, wie wir normalerweise Erfahrungen verarbeiten: indem wir die Erinnerung in ein neuronales Netzwerk integrieren, das verwandte Erinnerungen speichert.

Wenn wir Erinnerungen verarbeiten (meist während des Schlafs), werden normalerweise die mit der Erinnerung verbundenen Emotionen entfernt.

Daher auch der oft genutzte Tipp bei aufwühlenden Erlebnissen: Schlaf mal ein paar Nächte drüber!

Aber jedes Mal, wenn eine Erinnerung an eine frühere Situation so belastend war, dass unser Gehirn diese Erinnerung nicht wie gewohnt verarbeiten konnte, wurde die Erinnerung unverarbeitet gespeichert – mit all den Emotionen, die wir zu diesem Zeitpunkt gefühlt haben.

Deshalb werden wir, wenn wir etwas Ähnliches wie dieses Ereignis erleben – vielleicht nicht inhaltlich, aber das Gefühl ähnelt sich – plötzlich von Körperempfindungen überschwemmt, die eine Überreaktion darstellen.

Diese Gefühle stammen nicht wirklich von der aktuellen Situation. Sie stammen von der früheren unverarbeiteten Erinnerung, die durch die aktuelle Erfahrung ausgelöst wird.

Haben wir alle diese Trigger?

Im Grunde, ja! Praktisch alle von uns werden mehr oder weniger 'getriggert'. Weniger dann, wenn wir schon viel an uns selbst gearbeitet und in Persönlichkeitsentwicklung investiert haben.

Egal wie liebevoll und entgegenkommend unsere Eltern in unserer eigenen Kindheit waren - es gab mit ziemlicher Sicherheit Zeiten, in denen wir etwas erlebt haben, das uns überwältigt hat.

Wenn du jetzt in der Adventszeit (und auch sonst) merkst, dass du es in vielen Momenten persönlich  nimmst, heißt das, dass du in vielen Momenten an eine unverarbeitete Erfahrung erinnert und davon getriggert wirst.

Ich möchte dir heute einen sehr niederschwelligen Prozess mitgeben, den du jederzeit zu Hause durchführen kannst, um viele Trigger-Momente zu entschärfen.

Die 3 Schritte um altes Gepäck loslassen und friedlicher werden

Lade dir mit einem Klick die 3 Schritte als PDF herunter >


Heile deine Trigger-Momente mit diesen 3 Schritten:

Schritt 1:

Atme tief und werde ruhig. Zentriere dich so gut wie möglich. Erinnere dich an drei Dinge, für die du dankbar bist oder die dein Wohlbefinden steigern werden. Das erfüllt dich gedanklich mit Liebe. Es gibt dir ein Gefühl der Sicherheit und bewahrt dich davor, durch diese Gefühle erneut traumatisiert zu werden.

Schritt 2:

Denke jetzt an das jüngste Ereignis, das dich getriggert hat. Wo du etwas total persönlich genommen hast. (Du musst gar nicht wissen, was der alte Auslöser war, denke einfach an das jüngste Ereignis, das dich verärgert hat.) Konzentriere dich auf die Gefühle der Verärgerung in deinem Körper, nicht auf das Ereignis selbst.

Nimm alle Empfindungen in deinem Körper wahr. Vielleicht empfindest du ein Engegefühl oder Schmerzen. Womöglich empfindest du einen großen Drang zu fliehen oder davonlaufen zu wollen. Vielleicht zeigen sich folgende Gefühle: Traurigkeit, Angst, Scham.

Halte dich aber gar nicht mit diesen Etiketten auf. Bleibe einfach mit diesen Empfindungen und erlaube dir, diese zu fühlen. Langsam bemerkst du, dass sich die Empfindungen von einem Ort zum anderen bewegen oder intensiver werden und dann beginnen, sich zu verflüchtigen.

Schritt 3:

Bleib bei deinem Körper. Beachte, dass du dich vielleicht ablenken willst (Fluchtreflex) oder etwas essen willst (Erstarren-Reflex/sich betäuben). Verspürst du den Drang, lieber jemanden anrufen zu wollen, um diese Person zu schimpfen (Kampfreflex/Angriff).

Widerstehe diesen Reflexen so gut es geht und bleibe bei dem Gefühl. Wenn du lieber aufspringen und dein Telefon checken willst, tu es nicht. Wenn du das dringende Bedürfnis verspürst, die Küche zu putzen, tu es es nicht. Atme einfach tief weiter, bleibe bei dir und nimm wahr, wie sich dieses Gefühl in deinem Körper anfühlt. Atme in deinen Körper mit Mitgefühl für dich selbst.

Wenn wir die Erfahrung unserer körperlichen Empfindungen aus der ruhigen, sicheren Perspektive unseres bewussten erwachsenen Selbst beobachten, beginnt sie sich zu verschieben und zu verändern.

Man nennt das, das beobachtende Ego. Wenn du in deinem Beobachter-Selbst bleiben kannst, bewahrt es dich davor, von deinen Emotionen entführt zu werden, und ermöglicht deinem Gehirn, diesen neuronalen Schaltkreis neu zu verdrahten.

Die zweite wichtige Komponente ist Mitgefühl. Hab Liebe und Mitgefühl für das vergangene Selbst, das diesen Schmerz erlebt hat. Liebe dich jetzt ohne Vorbehalt und fülle damit deinen inneren Tank.

Wenn dieser alte Auslöser das nächste Mal durch ein neues Ereignis aktiviert wird, wirst du feststellen, dass er weniger Kraft hat.

💫 Tipp: halte durch und versuche, die Gefühle 'auszusitzen' und nicht auf die Reflexe zu reagieren. Das ist anfangs etwas mühsam und ungewohnt. Aber du weißt: Übung macht die Meisterin! 🤗

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