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8 Tipps für den Alltag mit willensstarken Kindern

Familienalltag - praktische Tipps

8 Tipps für den Alltag mit einem willensstarken Kind!

Viele Eltern klagen über die Willensstärke ihres Kindes. Besonders häufig sind es Eltern, bei denen Hochsensibilität in der Familie zumindest Thema ist. Eine Mutter schrieb mir kürzlich:

So sehr sie mich nach Wutanfällen braucht, so sehr führt sie den Kampf mit mir. Egal, was ich sage, es kommt ein Veto oder “mach ich sicher nicht” bzw. ein “Wieso muss ich immer machen, was ihr sagt, ich kann über mein Leben selbst bestimmen…Das kostet gerade morgens so viel Zeit und Energie….

Obwohl diese Aussage auch an die kindliche Autonomiephase (bekannter als Trotzphase) erinnert, gibt es hier dennoch einen Unterschied zu Kindern, die bereits von Geburt an diese Verhaltensweisen haben. Jesper Juul nennt diese Kinder autonome bzw. willensstarke Kinder.

Die Merkmale, die er ihnen zuschreibt, sind im Wesentlichen die folgenden:

  • Sie kennen und beachten ihre Bedürfnisse genau und ohne Ausnahme.
  • Sie nehmen ihre persönlichen Grenzen ernst.
  • Sie lassen sich nicht manipulieren.
  • Sie mögen keinen Körperkontakt, der nicht von ihnen ausgeht.
  • Sie weichen vor jedem erwachsenen Verhalten zurück, das nicht vollkommen authentisch und frei von pädagogischer Manipulation ist.
  • Sie sagen nur dann Ja, wenn sie die absolute Wahlfreiheit haben.
  • Sie benehmen sich oft wie reife Erwachsene, die ein ausgeprägtes Selbstbild haben.
  • Sie wollen immer ihre Würde und Integrität wahren.

Von vielen Erwachsenen werden diese Punkte missverstanden oder falsch interpretiert und so kommt es im Alltag mit willensstarken Kindern zu mehr Konflikten als es notwendig wäre. Weiter unten gebe ich dir schon ein paar Tipps, die du im Alltag umsetzen kannst, aber vielleicht brauchst du überhaupt erst mal einen groben Fahrplan, dann lade dir gerne meinen kostenlosen 7-Schritte-Fahrplan herunter:

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Wie äußern sich nun diese Merkmale im Alltag?

Die Erfahrung zeigt, dass sich die Merkmale durchaus unterschiedlich zeigen. Bei einigen Kindern äußert sich dieses Verhalten vorwiegend zu Hause, bei anderen aber auch außerhalb.

Hier sind einige Beispiele (aus den Büchern von Jeser Juul, in dieser Form gesammelt von Frühlingskindermama*). In der Arbeit mit vielen Eltern sehe ich aber, dass nicht alles immer in gleicher Intensität auf jedes Kind zutreffen muss:

  • Im Babyalter: starker Wille, immerzu wach, neugierig und aktiv, nicht kuschlig, aber sehr anhänglich, sehr weit entwickelt und “überhaupt nicht so, wie wir uns ein Baby so vorgestellt hatten”. Manchmal sind das Babys, die die Eltern an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen können.
  • Wenn sie zur Welt kommen, haben sie oft schon einen reifen Gesichtsausdruck. Eine Mutter meinte dazu „…wie wir Freunde besuchten, als der Große gerade 3 Wochen alt war, sagte die Freundin als Erstes, dass er wie ein weiser alter Mann aussehen würde…“
  • Kinder brauchen Nahrung: in Form von Fürsorge und Liebe. Den meisten Kindern kann man das einfach vorsetzen. Autonome Kinder dagegen benötigen diese Nahrung “vom Buffet”, damit sie sich davon nehmen können, wann immer sie wollen. Man kann diese Kinder kaum zu etwas animieren, dass sie nicht selbst wollen.
  • Sie lassen sich nicht korrumpieren. Man kann ihnen auch nicht drohen oder sie bestechen. Sie besitzen eine außerordentlich stark ausgeprägte Integrität. Eine an sich sehr gute Eigenschaft, aber im Alltag kann sie für Eltern eine große Herausforderung darstellen.
  • Diese Kinder wollen selbst bestimmen. Sie lassen sich nicht manipulieren. Sie sind vollkommen bei sich, aber dadurch natürlich auch ab und zu sehr einsam. Willensstärke kann grundsätzlich als ein sehr positiver Charakterzug gesehen werden. Es kostet dennoch sehr viel Kraft, die Gedankengänge dieser Kinder zu erforschen, um sie doch noch zu einer Kooperation zu bewegen.
  • Die meisten autonomen Kinder kommen sehr gut im Kindergarten oder Schule zurecht oder wenn sie mit anderen Kindern spielen. Aber sie reagieren allergisch auf pädagogisches Süßholzraspeln. Sie bemerken sehr schnell, wenn Pädagoginnen und Bezugspersonen nicht authentisch sind oder sich nicht sicher sind. Da kommt es dann schnell zu einem Kräftemessen.
  • Kinder wie diese benötigen keine Strafen. Es geht vielmehr darum, dass man ihnen sagt: “Ich bin dabei, zu lernen, wie ich mich verhalten muss, damit es dir gut geht.” Dann müssen sie nicht so viel Energie darauf verwenden, ihren Willen durchzusetzen. Abgesehen davon, dass Kinder grundsätzlich keine Strafen brauchen <img draggable=” /> geht es hier darum, Konfliktpunkte schon im Ansatz zu vermeiden, Bedürfnisse versuchen zu verstehen und somit dem Kind entgegen zu kommen – was in einem hektischen Alltag oft nicht geht.
  • Wenn Eltern unaufdringlich ihre Hilfe anbieten und sich aller Erklärungs-, Motivations- und Manipulationsversuche enthalten, dann nehmen autonome Kinder diese Hilfe gern an. Ihr Körper entspannt sich, und ihre Erleichterung, der Einsamkeit entronnen zu sein, wird deutlich. Erst wenn die Eltern ihre Eigenart voll und ganz akzeptieren, lassen sie es zu, dass man sich um sie kümmert und sie umsorgt.

Jesper Juul, wie auch die meisten anderen Erziehungsratgeber aus der beziehungs- und bedürfnisorientierten Ecke, berücksichtigen Hochsensibilität und Hochbegabung nicht. Jedenfalls nicht explizit. Alle “konventionellen” Erziehungsratgeber sind sowieso weit davon entfernt, diese Themen in ihre Betrachtung aufzunehmen!

 

Vielleicht interessiert dich auch dieser Beitrag: Hochsensibel? Willenstark? Gefühlsstark? Oder was jetzt?! >>

 

Vom jeweiligen Forschungsstandpunkt der Hochsensibilität und Hochbegabung gesehen, gibt es aber eine große Überschneidung und bestimmte Denkfehler führen dazu, dass Eltern sich den Alltag ein wenig zu schwer machen. Über die 5 fatalen Denkfehler im Alltag mit willensstarken Kindern spreche ich auch in meinem kostenlosen Webinar >>

Der Jüngere unserer Söhne isst mit Vorliebe dann, wenn wir nicht essen – beim Abendessen kommt er nach 2 Bissen drauf, dass er jetzt sicher keinen Hunger hat – dafür kurz vorm Schlafengehen. Die Bitte zum Zähneputzen, Umziehen oder Wegräumen wird oft ignoriert, mit “sicher nicht” kommentiert, nur um ihr dann nach ein paar Minuten doch nachzukommen. Er hat ein (nur scheinbar) großes Selbstvertrauen und ist andererseits sehr verletzlich und sehr schnell beleidigt…

 

Wie geht man nun mit autonomen Kindern um? Tipps für den Alltag!

Die folgenden Tipps kennst du vielleicht aus Juul’s Büchern und du wirst sie eventuell auch schon anwenden. Trotzdem möchte ich betonen, dass sie bei diesen Kindern wirklich eine absolute Notwendigkeit sind, wenn wir unser eigenes Reizniveau konstant senken wollen, um als Eltern möglichst lange in der Komfortzone zu bleiben <img draggable=” />

Sei authentisch und rede authentisch: das bedeutet im Klartext, benutze unbedingt die „Ich-Form“ bei deinen Aussagen und vermeide „man-Aussagen“ wie z.B. „Das macht man nicht!“ Mache darüber hinaus klare und persönliche Ansagen ohne jeden Firlefanz – dieser wird nämlich bei aller Kreativität sehr gut für Ablenkungsmanöver genutzt <img draggable=” />  „Ich will, dass du dich anziehst, du kannst das machen, wann du willst, aber ich will, dass du es tust.“ Auf diese Weise muss das Kind nicht kapitulieren, sondern hat das Gefühl, es stellt die Bedingungen.

Lass dem Kind Zeit, über deine Aussagen nachzudenken: mach eine Pause, damit dein Kind über dein Gesagtes nachdenken kann. Es braucht Zeit, sich der Aufforderung/der Aussage klar zu werden, sie zu reflektieren, eigene Lösungswege abzuwägen um danach gegebenenfalls mit eigenen Ideen zu kommen.

Rede offen: dein Kind ist sehr klug und durchschaut fadenscheinige Aussagen. Es kommt ganz gut mit der Wahrheit zu recht, auch wenn es noch ein kleines Kind ist und aufgrund enttäuschender Wahrheiten entwicklungsbedingt Wutausbrüche haben kann. Tipps, wie du damit umgehen kannst, findest du hier.

Frage nach seinen Bedürfnissen: „Was brauchst du?“ und „Was willst du?“ sind ganz wichtige Fragen bei diesen willensstarken Kindern, die ganz genau wissen, was sie NICHT wollen. Vielleicht hast du das Bedürfnis verkannt oder den Grund für sein Verhalten nicht richtig erkannt, sodass ihr aufgrund dieses Missverständnisses komplett aneinander vorbeiredet.

Biete Wahlmöglichkeiten: bei allem, wo du das ermöglichen kannst! Bei der Zeit (Verlassen des Spielplatzes, Schlafengehen), beim Tagesablauf (Mahlzeiten, Zähneputzen, Anziehen), bei Varianten (Schlafen mit oder ohne Pyjama, Süsses vor oder nach der Hauptspeise..) – kurz gesagt, werde kreativ und hinterfrage deine eingeprägten Muster.

 

Was du möglichst vermeiden solltest!

Leider gibt es immer noch zu viele Missverständnisse und  fatale Denkfehler in unseren Köpfen. Wenn du merkst, dass dein Kind dieses Gefühl der absoluten Autonomie braucht, dann versuche dies, wann immer zu ermöglichen.

Nimm‘ es nicht persönlich, beziehe es nicht auf dich, sondern versuche es vom Standpunkt des Kindes aus zu betrachten: Dieses Kind braucht zumindest das GEFÜHL autonom, unabhängig und frei zu entscheiden, auch wenn es dies logischerweise nicht immer und absolut tun kann.

Das Kind weiß meist genau, was es selbst kann, doch es kann es nicht allein! Es braucht (wie alle Kinder) deine liebevolle Fürsorge, deine Hilfe und deinen Rat – doch muss es sich dabei um Angebote handeln. Alles andere erlebt es als Angriff auf seine persönliche Autonomie.

Machtkämpfe sind ein Schuss nach hinten und bringen die ganze Familie in eine Abwärtsspirale.

Diese Kinder in ihrem Wesen zu erkennen und sie nicht zu etwas Anderem machen zu wollen, ist für uns Eltern, die wir ja meist alle eine Erziehung durchlaufen sind, oft ganz schwer. Meist sehen wir uns unbewusst in unserer Autorität bedroht, und haben Sätze wie „die tanzt dir ja auf der Nase herum“, „wer hat hier die Hosen an, du oder dein Kind?“ im Kopf.

Du willst ja für dein Kind da sein, aber es ist so anstrengend?

Es ist mühsam und es gelingt dir (mittlerweile nicht mehr) so gut?

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Das Interview zu diesem Thema mit Jesper Juul (von 2015) findest du hier.

Hast du noch andere Strategien? Verrate mir deine bewährten Tipps und Tricks in meiner FB-Gruppe „Hochsensibilität & Hochbegabung im Familienalltag“!


Beispiele *) sind aus dem Buch von Jesper Juul: Elterncoaching – Gelassen erziehen, in Aufarbeitung von Frühlingskindermama. Die Beschreibung und Merkmale der “autonomen Kinder” findet sich in mehreren von Jesper Juuls Bücher und Interviews wieder.

 

Tina Pichler Mentoring & Training

Wer schreibt hier?

Ich bin Tina Pichler.  Ich begleite Familien dabei, ihren Alltag ​gut zu meistern. Ich liefere Eltern das nötige Wissen, das sie für einen harmonischen Familienalltag brauchen und das auf lösungsorientierte, nachhaltige und praktisch anwendbare Art​.

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